Wandern im Böhmischen Paradies – Jičín und die Prachauer Felsen
Sehenswürdigkeiten und Tipps aus dem Naturschutzgebiet Böhmisches Paradies

Das Böhmische Paradies ist die Naturperle Böhmens. Und die Prachauer Felsen sind nur die Spitze des Eisberges.
Lediglich eine Autostunde von Prag entfernt liegt das Böhmische Paradies: Eine malerische Felsenlandschaft mit romantischen Burganlagen, ausgedehnten Wäldern, charmanten Kleinstädten und versteckten Ruheoasen. Wer diesen Fleck Erde einmal erlebt hat, weiß schnell: Hier fühlt sich Natur tatsächlich wie ein kleines Paradies an.
Die sogenannten Felsenstädte aus Sandstein beeindrucken selbst erfahrene Besucher, und das Wort „Naturerlebnis“ bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. Ergänzt wird die Landschaft durch sehenswerte Orte wie Jičín, das als Tor zum Böhmischen Paradies gilt. Die Stadt beeindruckt mit ihrem reichen historischen Erbe und war einst Residenz des habsburgischen Heerführers Albrecht von Wallenstein. Der prächtige Hauptplatz zählt zu den schönsten in Böhmen. Jičín ist außerdem die Heimat der beliebten Märchenfigur Rumcajs, im deutschsprachigen Raum auch als „Fürchtenix“ bekannt.
Für viele Reisende aus Österreich und Deutschland ist das Böhmische Paradies dennoch ein echter Geheimtipp. Etwas abseits der bekannten Touristenrouten wirkt die Landschaft fast überraschend ursprünglich und ruhig. Dabei ist sie keineswegs schwer zu erreichen, denn auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln lässt sich die Region gut besuchen. Wir haben ein Wochenende im Böhmischen Paradies verbracht und waren von diesem Naturwunder nachhaltig beeindruckt. In diesem Artikel nehmen wir euch mit in das „Reich der Märchen“.
Jičín – das Tor zum Böhmischen Paradies

An den östlichen Ausläufern des Böhmischen Paradies liegt die Kleinstadt Jičín. Mit knapp über 16.000 Einwohnern wirkt sie auf den ersten Blick beschaulich und doch sagt man ihr nicht ohne Grund nach, den schönsten Hauptplatz in ganz Böhmen zu besitzen. Seine besondere Bedeutung verdankt Jičín dem Feldherrn Albrecht von Wallenstein, der hier im Dreißigjährigen Krieg für den Kaiser kämpfte. Zwischen 1625 und seinem Tod ließ er die Stadt zu seiner Residenz ausbauen. Auch wenn seine politischen Pläne letztlich scheiterten, prägt seine Bauleidenschaft das Stadtbild bis heute deutlich.

- Tipp! – Das beste Panorama auf Jičín bietet der Valdicer Stadtturm. Noch eindrucksvoller ist allerdings die Wanderung auf den Berg Zebín: Von dort eröffnet sich ein weiter Blick über die gesamte Landschaft!
Der Hauptplatz wird vom markanten Valdicer Turm mit seinem roten Spitzdach dominiert. Rundherum reihen sich elegante Bürgerhäuser mit typischen Laubengängen aneinander. Besonders auffällig sind außerdem das ehemalige Wallensteinsche Stadtschloss sowie die direkt daneben liegende, unvollendete, aber sehr eindrucksvolle Pfarrkirche des Heiligen Jakob des Älteren.
Etwa eine gute Wanderstunde vom Zentrum entfernt liegt die Wallenstein-Loggia im Ortsteil Karthaus-Walditz. Der Weg dorthin führt durch eine wunderschöne alte Lindenallee und ist bereits Teil des Erlebnisses.

Jičín nennt sich auch die „Stadt der Märchen“ (město pohádky). Hier spielt nämlich die Geschichte des mutigen Räubers Rumcajs („Fürchtenix“), der mit seiner Frau Manka und seinem Sohn Cipísek im Wald von Raholec lebte. Nachdem er vom Bürgermeister aus der Stadt verbannt wurde, zog er in die nahegelegenen Prachauer Felsen und setzte sich dort für Natur, Tiere und Gerechtigkeit ein.
Wer sich für Rumcajs interessiert, sollte die eindrucksvolle, kunstvoll gestaltete Holzbank gegenüber dem Hotel reSTART nicht verpassen. Ebenfalls sehenswert ist die sogenannte „Rumcajs-Höhle“ oberhalb der Ortschaft Brada.
- Schon gewusst? – Das Erbe Wallensteins ist in Jičín bis heute lebendig. Alle zwei Jahre im Mai finden hier die Wallenstein-Festspiele mit historischen Heerlagerdarstellungen und vielfältigem Programm statt. Wichtig: Die Veranstaltungen wechseln jährlich zwischen Jičín (gerade Jahre) und Frýdlant in Böhmen (ungerade Jahre).
Prachauer Felsen – eine Stadt aus Sandstein

Nur etwa 6 Kilometer von Jičín entfernt liegen die Prachauer Felsen. Es ist ein echtes Naturwunder. Mit ihren teils 40 bis 60 Meter hohen Sandsteinfelsen wirken die Felsen wie eine versteinerte Stadt und genau diesen Eindruck vermittelt die sogenannte „Felsenstadt“ auch. Natürlich handelt es sich nicht um eine echte Stadt, doch die unzähligen Felstürme, engen Durchgänge und steilen Wände lassen die Fantasie schnell in diese Richtung gehen. Der Eintritt ist kostenpflichtig, doch die Landschaft belohnt mit einem halben Tag voller Ruhe, Naturerlebnis und spektakulärer Ausblicke.

Die Prachauer Felsen können je nach Kondition und verfügbarer Zeit über verschiedene Wanderwege erkundet werden. Alle Routen sind gut ausgeschildert und problemlos begehbar. Die kleine Runde (malý okruh) ist in weniger als einer Stunde machbar, während die große Runde (velký okruh) mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Dazwischen liegen mehrere Alternativen und sind mit Farben gekennzeichnet (gelb, blau, rot usw.) Tiefe Schluchten, enge Pfade und steile Steintreppen erfordern jedoch trittsicheres Schuhwerk und ein wenig Kondition.
- Gut zu wissen! – In der Hauptsaison können die Prachauer Felsen sehr gut besucht sein. Besonders angenehm ist es daher, die Felsenlandschaft entweder früh am Morgen oder am späten Nachmittag zu erkunden. Wer kein Auto hat, erreicht den Eingang entweder per Taxi bis Prachov/Prachau oder mit dem öffentlichen Bus bis Ohaveč. Von dort führt ein rund 30-minütiger Spaziergang bis zum Haupteingang (unteres Tor) der Prachauer Felsen.
Burg Trosky: das Wahrzeichen des Böhmischen Paradieses

Die Burgruine Trosky liegt in den nördlichen Ausläufern des Böhmischen Paradieses und gilt als das bekannteste Wahrzeichen der Region. Hoch über der Landschaft thronen auf zwei markanten Vulkankegeln die charakteristischen Türme der einstigen Burganlage. Die im 14. Jahrhundert errichtete Festung lässt auch heute noch erahnen, welche beeindruckende Größe sie einst gehabt haben muss.
Ein Besuch lohnt sich vor allem wegen der Aussicht – eine klassische Ausstellung im Inneren gibt es hier nicht. Auf dem westlichen Kegel steht der Turm „Baba“ („Die Alte“)“, der auch begehbar ist. Der zweite Turm, „Panna“ („Die Jungfrau“)“, ist nur teilweise zugänglich; hier befand sich einst der Palast des Burgherrn.
- Schon gewusst? – In den letzten Jahren hat Burg Trosky einen regelrechten Besucherboom erlebt. Einen großen Teil ihrer heutigen Bekanntheit verdankt sie dem Videospiel „Kingdom Come: Deliverance 2“ des tschechischen Entwicklerstudios Warhorse. Dort wurde die Burg detailreich rekonstruiert und spielt sogar eine Rolle in der Handlung. Der gestiegene Besucherandrang hat inzwischen auch zu höheren Eintrittspreisen geführt. Das nennt man wohl Angebot und Nachfrage in Reinform.
Malerische Burglandschaft: Kost, Humprecht, Valdštejn, Valečov

Das Böhmische Paradies ist nicht nur für seine spektakulären Felsformationen bekannt, sondern auch für seine Vielzahl an Burgen und Schlössern. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, alle Sehenswürdigkeiten aufzuzählen, daher konzentrieren wir uns auf jene, die wir während unseres Aufenthalts selbst besucht haben.
Neben der Burg Trosky ist besonders die Felsburgruine Valečov nahe der Kleinstadt Mnichovo Hradiště (Münchengrätz) einen Besuch wert. Das Erstaunliche an dieser Burganlage ist, dass sie direkt in Sandsteinfelsen gehauen wurde und die eigentlichen Räumlichkeiten der Burg mit der Natur verschmelzen.
Auch das Jagdschloss Humprecht am Stadtrand von Sobotka ist ein lohnendes Ziel. Die ungewöhnliche, fast orientalisch wirkende Bauform mit einer kleinen Kuppel und einem Halbmond auf der Spitze ist kein Zufall: Humprecht soll bewusst an den Galata-Turm in Istanbul erinnern.
Ebenfalls sehenswert ist die Burg Valdštejn, die als älteste Burganlage im Böhmischen Paradies gilt und bereits im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Wie bei vielen Anlagen der Region spielt auch hier die umgebende Felsenlandschaft eine zentrale Rolle. Besonders eindrucksvoll ist die barocke Brücke, die zugleich ein beliebtes Fotomotiv darstellt.
Nicht zuletzt wäre das Böhmische Paradies ohne die Burg Kost kaum vorstellbar. Sie liegt unweit von Sobotka und gilt neben Trosky als eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Region. Die gut erhaltene gotische Wasserburg kann im Rahmen geführter Touren besichtigt werden und vermittelt einen besonders authentischen Eindruck mittelalterlicher Baukunst.
Das Wochenende im Böhmischen Paradies – unser Fazit

Das Böhmische Paradies wird seinem Namen mehr als gerecht. Es ist eine landschaftlich außergewöhnlich schöne Region, die noch immer erstaunlich wenig bekannt ist. Genau das hat es uns ermöglicht, hier absolut entschleunigt und ohne große Besucherströme auf Entdeckungsreise zu gehen. Jičín, die inoffizielle „Hauptstadt“ der Region, trägt sein historisches Erbe Wallensteins bis heute sichtbar in sich und lebt es Tag für Tag weiter.
Auch für Besucher ohne Auto - denn die Erkundung des Böhmischen Paradieses ist sonst oft etwas umständlich - hat die Region einiges zu bieten: Karthaus-Walditz und der Berg Zebín sind auch zu Fuß gut erreichbar, und selbst die weltberühmten Prachauer Felsen lassen sich mit etwas Planung ohne eigenes Fahrzeug erreichen.
Die Mischung aus charmanten Kleinstädten und nahezu unberührter Natur hat uns so überzeugt, dass wir inzwischen bereits zum dritten Mal hier waren; und ganz sicher in absehbarer Zeit wieder zurückkehren werden, um das unverwechselbare Ambiente des Böhmischen Paradieses erneut zu genießen.
Das könnte Dich auch interessieren
Beliebte Artikel
*Werbehinweis
Um happystories.de zu finanzieren, setzen wir sogenannte Affiliate-Links ein.
Das bedeutet, dass wir möglicherweise eine Provision erhalten, wenn du auf einen Anbieter-Link klickst und dort einen Einkauf tätigst.
Es entstehen für dich dadurch keine Nachteile, da sich der Preis nicht ändert.
Unterstütze HappyStories Reisen 🙂
Sind unsere Inhalte für Dich hilfreich und gefallen sie Dir?
Dann würden wir uns über Deine Unterstützung sehr freuen – zum Beispiel mit einem Kaffee.
Tausend Mal Danke! 💛









